Gründung in der Krone
Vier Brackenheimer treffen sich im Hinterzimmer der Krone. Nach drei Stunden steht ein Vereinsname. Der Schutzpatron ist klar — der Heilige Vincenz von Saragossa, Patron der Winzer. Ordensmeister wird der Älteste.
An einem Februarabend 1980 saßen vier Männer im Hinterzimmer der Krone und kamen auf den Gedanken, dass es einen Verein braucht — einen für Leute, die Wein lieben aber keinen Wein-Snobismus mögen. Vier Wochen später war die Weinbruderschaft St. Vincenz gegründet. Ohne Präsident, dafür mit Ordensmeister.
Tradition trifft Moderne.Leitsatz der Weinbruderschaft
Wir lieben den Wein. Aber genauso die Menschen, mit denen wir ihn trinken.
Wir sind kein Verein für Sommeliers. Wir sind ein Verein für Leute, die Wein als Ausrede nehmen, sich zu treffen — und dabei zufällig viel über Wein lernen. Mit gutem Essen. Mit Freundschaft. Mit einem leichten Augenzwinkern.
Ein Verein lebt von seinen Geschichten. Hier die wichtigsten Stationen — von der Gründung bis heute.
Vier Brackenheimer treffen sich im Hinterzimmer der Krone. Nach drei Stunden steht ein Vereinsname. Der Schutzpatron ist klar — der Heilige Vincenz von Saragossa, Patron der Winzer. Ordensmeister wird der Älteste.
Zum fünfjährigen Bestehen wird das erste große Stiftungsfest gefeiert. 28 Mitglieder, sechs Gänge, Begleitweine aus dem Heuchelberg. Tradition begründet, die seitdem jedes Jahr im September stattfindet.
Sechs Tage Burgund. Sieben Weingüter. Der Bus kommt mit deutlich mehr Gewicht zurück als er hingefahren ist. Seitdem wird mindestens alle zwei Jahre eine internationale Weinreise organisiert.
Aus dem informellen Verein wird ein eingetragener Verein. Erste Satzung, erstes Vereinsheim in der Beckstraße. Mitgliederzahl knackt die 40er-Marke.
Zum Jubiläum wird das heutige Vereinsheim in der Beckstraße bezogen. Ein eigener Weinkeller mit 600 Flaschen, ein Verkostungsraum für 50 Personen. Die ersten Frauen werden Vollmitglieder.
Pandemie. Das Stiftungsfest fällt aus. Erstmals seit 1985. Stattdessen werden im Sommer kleine Weinrunden im Garten organisiert — mit Abstand, dafür mit umso mehr Gesprächsstoff.
Sieben neue Mitglieder unter 40 treten bei. Der Altersschnitt im Verein sinkt zum ersten Mal seit zehn Jahren. Erstes Treffen mit Co-Working-Charakter: Wein-Fachsimpeln am Mittwochabend.
Nach 46 Jahren auf Mund-zu-Mund-Werbung und Plakaten in der Stadtbibliothek geht der Verein online. Bei der Gelegenheit modernisiert sich das Logo — der Schutzpatron bleibt, das Schmuckwerk wird schlanker.
Es war kein großer Plan. Gerhard Reiner, damals 38 und seit zwei Jahren begeisterter Hobby-Weintrinker, hatte einfach genug davon, dass die meisten Wein-Veranstaltungen im Heilbronner Land sich anfühlten wie Examenstermine. Er wollte einen Verein, in dem man fragen darf was Trollinger ist, ohne dass jemand die Augen verdreht.
Die ersten Jahre waren entsprechend formlos. Treffen in Privatkellern, jeder bringt mit was er findet, abgestimmt wird per Handzeichen. Die Satzung passt auf eine DIN-A4-Seite. Erst Mitte der 80er kommen Strukturen — Ordensmeister, Schatzmeister, Major Domus für die Veranstaltungsorganisation.
Mit der ersten Frankreich-Reise 1992 öffnet sich der Verein über Württemberg hinaus. Burgund, Bordeaux, später Rioja, Toskana, Pfalz. Die Idee: Wer Lemberger versteht, sollte auch wissen wie ein guter Pinot Noir schmeckt — und zurück.
In dieser Zeit wächst die Mitgliederzahl auf knapp 50. Der Verein wird eingetragen, bezieht das erste Vereinsheim, baut einen kleinen Weinkeller auf. 2010 werden erstmals Frauen als Vollmitglieder aufgenommen — ein Schritt, der intern länger gedauert hat als heute jemand zugeben würde.
Um 2018 wird klar: Wenn der Verein in 20 Jahren noch existieren soll, muss er die unter 40 ansprechen. Erste Versuche mit Wein-Wanderungen statt klassischer Sitz-Probe. Der Tonfall wird lockerer, die Veranstaltungen vielfältiger, die Rituale bleiben.
Heute sind wir 62. Hartmut Reiner, Sohn des Gründers, ist seit 2019 Ordensmeister. Die jüngste Bruderin ist 27, der älteste Bruder 81. Was sie verbindet: Sie wollen lernen wo der Wein herkommt, sie wollen die Menschen kennen die ihn machen — und sie wollen das in guter Gesellschaft tun.
2026 geht der Verein online. Eine eigene Website, ein neues Logo. Aber der Stammtisch im Vereinsheim bleibt. Der findet weiter dienstags statt — analog, mit echten Gläsern.